Cimitero monumentale

Monumentalfriedhof

Das handwerkliche Geschick der Einwohner, die künstlerische Aussagekraft ihrer Architekten und das Mäzenatentum der reichen Patrizierfamilien bestimmten die Dorf- und Kirchenarchitekur von Mocote. Das zeigt sich eindrücklich im terrassierten monumentalen Friedhof, wo diese drei Elemente zu einer Einheit aus Natur, Geschichte und Architektur zusammenfliessen.

 

Nach dem Bau der Kirche Santa Maria dienten der gegenwärtige Kirchplatz und der Bereich, auf dem heute das Oratorium Sant‘Antonio da Padova steht, als Friedhof für das Volk, während Adelige und Klerus in der Kirche begraben wurden. Nach 1750 wurde der Friedhof an den Ort verlegt, an dem er sich heute befindet. Er nahm den mittleren Bereich des dortigen gemeinschaftlichen Grabfelds ein. So entstand der gegenwärtige Kirchplatz, indem mehr Platz am Ende der damals seit wenigen Jahren existierenden Freitreppe geschaffen wurde. 1869 und 1878 wurde der Friedhof nach Osten und Westen hin vergrössert, um die zwei neuen Grabkapellen des Architekten Gaspare Fossati und des Ingenieurs Giovanni Caccia in die Umfriedung mit aufzunehmen. Dank eines weiteren Projekts wurde der Friedhof 1917 auch nordwärts vergrössert, gebaut wurden die grosse Treppe, das gemeinschaftliche Grabfeld, das grandiose Kolumbarium und ein Bereich für neue Grabkapellen. Für die Bestattung berühmter Persönlichkeiten aus der Region wurden hochwertige Marmorbauten errichtet wie die Kapelle der Familie Caccia, die mit kleinen Giebeln gekrönt ist und deren Bauform auf die gotisch-lombardische Architektur verweist. Der Wiener Künstler Lassar realisierte Graffiti zur Dekoration der Aussenseite der Kapelle Teucro Isellas, in deren Innenraum eine marmorne Marienfigur des Bildhauers Andreoletti verwahrt ist. Oben auf dem neuen Friedhof sind Werke des Bildhauers Leonardo Maspoli, von Apollonio Pessina sowie das mächtige Mausoleum des Tenors Bakanoff zu finden, das der Architekt Antonini gestaltete. Am grossen Kolumbarium befinden sich Grabsteine, Büsten und symbolische Figuren, die berühmte Tessiner Künstler schufen. Besonders erwähnenswert sind das Werk des Bildhauers Ratti, das einen die Gerechtigkeit darstellenden Engel zeigt und das Bernaschina-Grab unten auf dem gemeinschaftlichen Grabfeld schmückt, sowie der musizierende Engel des Bildhauers Andreoletti. Interessant ist auch die Bronzeskulptur am Grab Carlo Bombieris, die der berühmte britische Künstler Henry Spencer Moore (1898–1986) anfertigte, der sich gern vom menschlichen Körper inspirieren liess. Seine Statuen zeigen oft Frauen als Symbol der Fruchtbarkeit oder auf dem Rücken liegende Figuren, die daran erinnern, dass der Mensch Teil der Natur ist. Dieses Thema wurde als Zeichen der Hoffnung und den Glauben an die Menschheit interpretiert. Dank der zahlreichen Kunstwerke trägt der Friedhof Morcote heute den Beinamen „piccolo Staglieno“, was auf den Monumentalfriedhof in Genua verweist, der als einer der wichtigsten Europas gilt und einem Museum der bürgerlichen Kunst aus der zweiten Hälfte des 19. Jh.s gleichkommt.