Oratorio San\'Antonio di Padova

Oratorium Sant’Antonio da Padova

Das Gebäude mit achteckigem Grundriss fügt sich wunderbar in die Umgebung ein. Es erhielt im Laufe des 18. Jahrhunderts durch den Anbau eines Säulengangs sein heutiges Aussehen. Im Innern des Gebäudes zeigt ein Rundfresko von Carloni mit Figuren in natürlicher Grösse Szenen aus dem Leben Christi.

 

Mitte des 17. Jh.s brach eine Hungersnot im Dorf aus. Alte Menschen und Kinder starben, Gebete halfen nicht mehr. Ein letztes Opfer wurde gebracht: dem hl. Antonius aus Padua einen Tempel zu weihen, der den Schutzheiligen der Armen, Hungernden und Vereinsamten günstig stimmen sollte. Errichtet wurde der Tempel Sant‘Antonio da Padova als Zeichen der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung nach einem Entwurf der Künstler Paleari, Ruggia und Isella aus Morcote, die zu jener Zeit in Parma und der Toskana lebten. Architektonisch handelt es sich um das schönste historische Bauwerk in Morcote und ähnelt dem von Raffael im berühmten Gemälde Vermählung Mariä dargestellten Tempel. 1676 war das Oratorium fertiggestellt. Es fehlten jedoch die Mittel, um den Innenraum auszuschmücken. Dank der Grosszügigkeit Bartolomeo Palearis, eines Stuckateurs und Unternehmers aus Turin, sowie der Sardi und Isella konnte der der Künstlerfamilie Carloni entstammende Maler Giovanni Carloni aus Rovio mit der Vollendung des Werks beauftragt werden. Prof. Pietro Gerosa, Carloni-Experte, schrieb: „Der höchste Wert des Gebäudes liegt meines Erachtens weniger in seiner architektonischen Anmut und seiner schönen Lage als vielmehr in den Fresken, die den Innenraum ausschmücken. Der Künstler wollte dem Betrachter die Illusion verleihen, statt vor einer Wandmalerei vor einem Wandbehang zu stehen...“ Die dargestellten Szenen sind von der Predigt des Evangeliums inspiriert, und alle Figuren sind technisch sorgfältig und mit lebendigen Farben ausgeführt. Die Stuckarbeiten, die die Wände unterhalb und oberhalb verzieren und 1938 vom Bildhauer Amleto Isella restauriert wurden, wurden von einem Restelli angefertigt. Die anderen vier Ecken des Achtecks schmücken dagegen Stuckaturen von Sardi. Die schönsten Arbeiten, die den kleinen Altar zieren, dessen Bemalung noch zu vollenden ist, realisierte der Stuckateur Roncaioli aus Brusino Arsizio, ein Schüler Sardis in Turin. Die niemals fertiggestellte Terrasse wurde 1788 von Matteo aus dem Friaul gebaut. Die entsprechenden Kosten trug der generöse Propst Ambrogio Fossati. Die Mittel zur Errichtung des Oratoriums, das anfangs als Taufkapelle bezeichnet worden war, spendeten Emigranten und Fischer. Die Handwerker des Dorfs wie Maurer, Stuckateure, Maler, Schmiede, Schreiner und Tischler stellten dagegen kostenlos ihre Arbeitskraft zur Verfügung, und die Frauen transportierten mit Räfen das gesamte Material vom Flussufer hierher.