Geschichte

SCHERRER-PARK IN MORCOTE EIN ZAUBERGARTEN

Als Sohn des Kaufmanns und Stadtrates Arthur Gustav Hermann Scherrer wurde am 2. November 1881 in Sankt Gallen geboren. Er war der älteste von fünf Brüdern und einer Schwester. Nach der Primarschule besuchte er das berühmte Institut Schmidt in seiner Heimstadt, in dem er, wie viele Söhne gutsituierter Familien, erzogen wurde. In Lausanne eignete er sich perfektes Französisch an, um anschliessend, auf dem Wege seiner Ausbildung in Aachen die Textil-und Webschule zu besuchen. Er lernte dort Stoffe und Webearten von Grund auf kennen.

Die italienische Sprache vervollkomnete er in Siena; in den Vereinigten Staaten lernte er Englisch und erwarb die ersten Businesskenntnisse. Später übernahm er den Tuchhandel seines Vaters in München und machte aus dessen Lodengeschäft eines der elegantesten Herrenmodehäuser der bayrischen Metropole. Es befand sich an der Neuhauser-Strasse 32 beim Karlstor an bester Adresse. Das (Haupt-)Geschäft in St. Gallen war ebenso prominent an der Multergasse zu finden.

In erster Ehe war Scherrer mit der Norditalienerin Maria Bianchini aus Reggio nell’Emilia verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn, Arturo Mario, kam 1904 auf die Welt. Drei Jahre später liess sich Scherrer scheiden. 1918 heiratet er Amalia Steiner ( 6.08.1887 – 24.03.1974) aus Rohrbach (Niederösterreich). 1930 konnte der Hobby-Landschaftsgärtner gemeinsam mit seiner zweiten Frau ein altes Tessiner Haus mit Stall am See mit einer Hektare Land (Hanglage) in Morcote kaufen.

DURCH DEN GARTEN

Am Eingang zum Park heisst uns der venezianischen Zierbrunnen mit seinem byzantinischer Löwe auf einer Renaissancesäule, und zwei Barock-Löwen aus Carrara-Marmor willkommen, und ermuntern uns, den mannigfaltigen Azaleenkulturen folgend, zur höher gelegenen Terrasse emporzusteigen. Umrahmt von Löwen, Nymphen und Faune führt eine Allee zu einer grossen Libanonzeder; in deren Nähe die Vierjahreszeiten symbolisierenden Statuen, flankiert von Azaleen und Kamelien. Eine Amphoren aus dem XIII Jahrhundert – das als Oelgefäss benutzt wurde– säumt dem Weg. Bald ist der Brunnen aus Carrara-Marmor im Renaissancestil erreicht, daneben die Säulen eines Belvedere. Von der Aussichtsterrasse aus, auf die zwei Sphinxskulpturen auf ihren Kapitellen thronen, geniessen wir einen herrlichen und malerischen Rundblick auf die Südbucht des Luganersees (Ceresio) und die Hügel der Region Varese. Die Statuen Venus, Herkules, Juno, Jupiter schauen zwischen den Azaleen hervor. Auf der anderen Seite erfasst der Blick, vor dem Hintergrund mexikanischer Pinien, Zedern, Palmen und Agaven, ein kleines Erechteion (zweiter Akropolis – Tempel) aus Naturstein von Vicenza.

Etwas höher gelegen, lässt uns ein Sonnentempel im maurischen Stil von den Gärten der Alhambra in Granada träumen, während zwei barocke Springbrunnen aus Naturstein von Verona für Erfrischung sorgen. Zwei Statuen dominieren den Park von oben: Merkur, Gott des Handels und eine Spinnerin, die den Beruf der Familie Scherrer symbolisiert.

Jenseits des siamesischen Teehauses, das an die Geheimnisse des Fernen Ostens erinnert, erreichen wir durch einen Bambushain den kleinen ägyptischen Tempel der Nofretete,von zwei Gottheiten – der Löwenkopf des Sekmhetran und der Falfenkopf des Horus, Sohn des Osiris – bewacht. Das Innere und die Büste der Nofretete sind eine getreue Kopie der Originale aus dem Jahr 1375 vor Christus in Berlin aufbewahrt.  Die Wände sind in altägytischem Stil bemalt. An diesem Ort ruhen auch die Aschenurnen des Ehepaares.

Etwas abseits, in einer typischen Oasenlandschaft eingebettet, steht das arabische Haus, letzter und leider unvollendeter Pavillon von Arthur Scherrer.

Statuen von nubischen Sklaven, umgeben von einer üppigen Pflanzenwelt, begleiten beim Abstieg zur Terrasse des indischen Palastes, welches nach dem Vorbild des “Palazzo Salò“ in Brugine, bei Padua errichtet wurde. Die Wände der Innenräume sind mit den typischen Moghuldekorationen verziert. Neben dem Haus befindet sich der indische Garten; über dem Becken vier Elefanten mit emporragenden Rüssel auf, noch weiter oben drei angriffsbereite Kobras und zu guter letzt die heilige Kuh von Mysore. Links von hier finden wir einen von Seerosen bedeckter Teich, Nymphen und eine chinesische Schildkröte, die Glück und langes Leben wünscht..

Von seiner Liebe zum Tessin zeugt das von Scherrer im lombardisch – Tessiner Stil des XIV. Jahrhunderts und 1930 rekonstruierte Haus, welches sich am Ausgang des Parks befindet. Der Bau ist eine getreue Kopie eines Wohnhauses aus dem Luganeser Viertel „Sassello“, das vollständig niedergerissen wurde um Platz für die modernen Gebäude zu machen. Die oberen Wohnräume wurden mit einer Galerie mit Bogenfenster ergänzt und bilden mit dem im Hof gelegenen Brunnen eine harmonische Verbindung zwischen Innen- und Aussenwelt.

Der Zaubergarten ist 15.000 qm gross, und beherbergt über fünfzig Pflanzenarten, deren botanischer Name jeweils auf ein kleines Schild angebracht ist.